Design u. Umsetzung

Ralf Ebbrecht

Der Cão de Água Português

Eine kurze Rassebeschreibung

Die offizielle Rassebezeichnung in der FCI für den Portugiesischen Wasserhund lautet Cão de Água Português (CAP) im AKC und im Britischen Kennelclub heißt er Portuguese Waterdog (PWD). Liebhaber dieser wundervollen Rasse nennen ihn liebevoll kurz Portie. Alle Bezeichnungen sind eigentlich immer nur die Übersetzungen für portugiesischer Wasserhund.

Ursprung

Der Name leitet sich von der ursprünglichen Aufgabe dieser  vermutlich zweitausend Jahre alten Hunderasse ab. Sie dienten den portugiesischen Fischern als unentbehrliche Helfer beim Fischen. Sie halfen die Netze aus- und einbringen, transportierten Gegenstände vom Boot zum Land oder umgekehrt, holten alles was ins Wasser fiel ohne Aufforderung zurück, tauchten dabei sogar mehrere Meter tief und retteten nicht zuletzt auch oft Schiffsbrüchige.

Schwimmhäute-Löwenschur-Farben-Haarqualitäten

Um dieser Aufgabe gut gewachsen zu sein entwickelten sich sehr gut ausgeprägte Zwischenzehenhäute, die quasi fast als Schwimmhäute anzusehen sind. Durch die rassetypische Schur versuchten die Fischer die Hunde für ihre Arbeit zu unterstützen. Sie ließen das üppige Haarkleid ihrer Hunde ,das  gewellt oder gelockt sein kann, bis zur letzten Rippe lang wachsen, als Schutz für die inneren Organe im kalten Wasser und zum besseren Auftrieb durch die Luft im Fell und schoren das Hinterteil kurz damit die Hunde sich freier und besser im Wasser bewegen konnten. Diese Art der Schur wird heute als Löwenschur (Lionclip) bezeichnet und ist auf Rassehundeaustellungen in der FCI verpflichtend . Es gibt CAPs in Schwarz, Schwarz mit weißen Abzeichen, in Braun, Braun mit weißen Abzeichen und in Weiß (aber keine Albinos, diese Hunde müssen dunkle Augen, eine schwarze Nase, schwarze Lefzen und eine dunkle Haut haben). Über die erlaubte Größe und Verteilung der weißen Abzeichen gibt es in der FCI und beim AKC momentan noch unterschiedliche Auffassungen.

Kein Fellwechsel-Allergiker geeignet

Im Unterschied zu den meisten Hunderassen gehören die CAPs zu den Rassen, die keinen Fellwechsel im Frühjahr und Herbst machen. Sie haaren generell auch nicht so stark wie viele andere Hundrassen, sondern verlieren quasi nur so viele Haare wie ihre Besitzer und sind daher oft geeignet für Menschen, die gegen Hundehaare allergisch sind.

Vollwertiges Crew-Mitglied

Man sagt, die Hunde waren den Fischern so wichtig, dass, sie sie als gleichwertiges Crew-Mitglied ansahen und ihnen auch den gleichen Anteil am Fang zugestanden.

Vorfahre des Pudels und Neufundländers

Da die Portugiesen sehr fleißige Seefahrer waren konnten die CAPs vielen Hunderassen ihren Stempel aufdrücken. Der CAP gilt als Vorfahre fast aller zotthaarigen Wasserhunde. Der bekannteste Verwandte ist wohl der Pudel, was man vor allem deutlich bei den gelockten CAPs erkennt. Die Modeschur des Pudels, wie die Löwenschuren aller anderen Hunderassen leiten sich von der Arbeitsschur der CAPs ab.

Auch die Wasserliebe des Neufundländers entstammt seinen CAP-Genen, die die CAPs durch Einkreuzung in neufundländischen Hütehunden hinterließen.

Seltenste Hunderasse im Guinnessbuch

Die Technisierung des Fischfanges führte dazu, dass man die Dienste der Hunde nicht mehr brauchte und so starben die CAPs Anfang des 20. Jahrhunderts fast aus. Gott sei Dank fand sich in den 1930er Jahren ein reicher portugiescher Reeder, der sich dieser Rasse annahm, sie vorm Aussterben bewahrte und einen FCI-an-erkannten Rassestandard erstellte. Aber einige Jahre später standen die Porties erneut wieder fast vor dem Aus. Die Auswirkungen des Nelkenkrieges in Portugal machten dem CAP im Mutterland schwer zu schaffen, so dass Anfang der 70er Jahre des 20.Jahrhunderts der Cão de Àgua Português mit nur noch 50 offiziell eingetragenen Exemplaren als seltenste Hunderasse im Guinnessbuch der Rekorde geführt wurde .

Durch glückliche Umstände gerieten einige CAPs in die USA in die Hände von sehr engagierten, wohlhabenden Hundeliebhabern, die diese außergewöhnliche Rasse jetzt wohl vor dem Aussterben bewahrt haben. In den USA leben ca. 10.000 und in Europa ca. 2.000 CAPs.

Verantwortungsvolle Züchter

Damit aus so einer geringen Zuchtbasis dennoch gesunde Rassevertreter entstehen konnten war es unerlässlich ganz strikte Gesundheitsprogramme aufzulegen.

Die Healthfoundation des PWDCA ( amerikanischer Club für Portugiesische Wasserhunde) war maßgeblich an der Entwicklung des Linked Marker Tests für die PRA (Progressive Retina Atrophie, Augenkrankheit), für den Gentest für

GM-1 (Gehirnerkrankung) und für den seit Herbst 2007 nun auch zur Verfügung stehenden Linked Marker Test für die JDCM (plötzlicher Herztod bei Welpen) beteiligt.

Als Welpenkäufer einer so seltenen Rasse sollte man sich nur an einen verantwortungsvollen Züchter wenden, der sich zum einen dem strengen Reglement des VDH unterwirft und zum anderen darüber hinaus noch zusätzlich diese Möglichkeiten zur Verhinderung von Erbkrankheiten ausnutzt.

Wesen und Hundesporteignung

Die ursprüngliche Nutzung des CAP erklärt sehr leicht sein Wesen. Der CAP ist ein außergewöhnlich intelligenter Hund, der in der Lage sein musste selbstständig Entscheidungen zu treffen Die Enge der Fischerboote machte es nötig, dass der CAP sich möglichst klein machte, sich ruhig und absolut verträglich verhielt, aber sofort hellwach war, wenn seine Dienste nötig wurden. Für seine tägliche Arbeit war ein sehr stark entwickelter Apportiertrieb von Nöten. Aus diesen Tatsachen erklärt sich, dass der CAP auf der einen Seite im Haus in der Regel sich sehr ruhig verhält, aber dann auch vor allem draußen richtig „aufdrehen“ kann. Er benötigt neben dem Futter im Fressnapf auch „geistiges Futter“. Daher eignet er sich für jede Art von Hundsport außer Schutzhundesport, weil dem CAP jede Aggression gegen Menschen fehlt.

Viele CAPs sind im Agility zwar nicht so schnell wie Border-Collies, machen dieses Defizit aber durch größere Präzision wett und lassen sie gleich erfolgreich sein. Im Dog-Dancing gibt es wahre CAP-Stars und auch Obidience und Dog-Frisbee sind geeignete Betätigunsfelder.

Der rassetypischste Hundsport sind jedoch Waterwork-Prüfungen, die es bis jetzt leider noch nicht Deutschland gibt, aber in Portugal und vor allem in den USA sehr viele Anhänger haben.

    Tiergestützte Therapie

Das hohe Einfühlungsvermögen prädestiniert die CAPs für die tiergestützte Therapie. All die Eigenschaften, die man versucht durch die Kreuzung verschiedener Rassen, z.B. Labradoodles, zu erreichen, gibt es schon seit zweitausend Jahren im CAP. In den USA werden die CAPs schon häufig in der tiergestützten Therapie eingesetzt und in Deutschland werden es bald die ersten CAPs ihren amerikanischen Kollegen gleichtun. Auch die Löwenschur wirkt hierbei sehr unterstützend, denn der taktile Reiz beim Wechsel von langer Löwenmähne über das geschmeidig-glattrasierte, muskulöse Hinterteil zum buschigen Wedel am Rutenende ist einzigartig.

Den offiziellen Rassestandard von der Seite des VDH gibt es HIER .

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